Zaian aus dem Holz

Aus der Ferne betrachtet, ist an Zaian nichts Außergewöhnliches zu erkennen: Im Winter trägt er schon vielfach geflickte Halbschuhe, ausgestopft mit einer Hand voll ungearbeiteter Wolle,Hose und Hemd aus fadenscheiniger, ungefärbter Wolle, an Knie und Ellbogen mit Lerderflicken besetzt, dazu einen etwas zu großen wollener Kapuzenumhang, Fäustlinge und eine Mütze mit Ohrenklappen. Im Sommer trägt er nur das ärmellose Lederwams und die halblange Lederhose, die er im Winter über den Wollsachen trägt und verzichtet auf Schuhe. Als Rolle von hinten um die Hüften geschnallt, trägt er seine Decke. Außerdem hat er eine lederne Werzeugtasche an einem liebevoll gearbeiteten Schultergurt über gehängt, die auch etwas Proviant und seine wenigen Habseligkeiten enthält, dazu Messer und Beil im Gürtel steckend und einen schlanken Wanderstab in der Hand. Aus der Ferne betrachtet ist Zaian nichts als ein Tagelöhner der etwas besser gestellten Sorte, wenn auch mit seinen knapp 9 Spann und den schmalen Schultern nicht sonderlich kräftig geraten.

Kommt man nah genug heran, um Zaians schmales Gesicht mit dem kurz gehaltenen dunklen Vollbart mustern zu können, wird wohl zuerst die schlanke doch markante Nase auffallen, die blasse Narbe, die sich vom Haaransatz bis zur Wange über seine rechte Gesichtshälfte zieht oder der blassblaue Stein, den er an einem robusten Kettchen um den Hals trägt. Auf den zweiten Blick wird man sich jedoch mit dem Problem konfrontiert sehen, das Alter dieses Mannes zu schätzen - Gesichtszüge und Haut scheinen noch sehr jung und frisch, die Zähne bemerkenswert vollständig und gesund, doch zeigen sich im dunklen,vollen und im Nacken zusammengebundenen Haar bereits etliche graue Strähnen, außerdem auch ein feines Gespinst von Fältchen um die katzenhaft schmalen, dunklen Augen.

Verbringt man einige Zeit mit Zaian, wird man feststellen, dass er die, für seine Statur erstaunlich dunkel und warm klingende, Stimme nur selten hören lässt, noch seltener lacht er. Dafür lächelt er umso öfter, blickt aufmerksam und tief, wann immer man das Wort an ihn richtet und weiß mit seinen schlanken Händen wahre Wunderdinge herzustellen. Doch dann geht sein Blick wieder weit ins Leere und er legt den Kopf leicht schief, als würde er auf etwas lauschen, das außer ihm niemand hört - und den Betrachter beschleicht das vage Gefühl, dass Zaian nicht ganz von dieser Welt sein kann. Zu harmlos und freundlich tritt Zaian auf, als dass er die Menschen ängstigen würde, doch hat er dies Geheimnisvoll-Fremde an sich, das die Menschen seine Nähe suchen doch auch stets ein letztes Stück Distanz zu ihm wahren lässt.

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