Capitan Tristoban Fock

Kniehohe Stulpenstiefel mit weitem Schaft, eine ebenso weite Hose aus schwarzem Wildleder und ein Hemd aus edler, grüner, goldgemusterter tulamidischer Seide mit an der Brust weit geöffneter Schnürung und hochgekrempelten Ärmeln, eine breite rote Schärpe über dem Waffengurt, der mit einem wuchtigen Säbel und einem archaisch anmutenden Parierdolch bestückt ist, ein schwarzseidenes Kopftuch und ein goldbesetzter Dreispitz, besetzt mit einigen buschigen Papageienfedern - nichts erinnert mehr an die akurate Uniform von ehedem. Lediglich das Ballestrina-Doppelholster scheint das bekannte zu sein.

 

Dazu fingerlose Handschuhe und einige schwere Goldringe an den freien Fingern, eine schwere Goldkette um den Hals und einen beachtlichen Creolen im rechten Ohrläppchen - auch von der bekannten Schlichtheit scheint er sich vollkommen verabschiedet zu haben - um das robuste Lederband, das er um den Hals trägt und das unter dem Hemd verschwindet und dort in einer kleinen Ausbuchtung mündet zu bemerken, muss man schon genau hinsehen.

 

Der Pferdeschwanz ist verschwunden, dafür ziert nun ein wilder Vollbart das sonnengebräunte Gesicht Tristobans - ein beinahe ebenso irritierender Anblick wie die Tätowierung einer schwarzen Schlange, die sich um seinen rechten, braungebrannten Unterarm windet und ihre Fangzähne scheinbar in sein Handgelenk schlägt.

 

Alles in allem bietet Tristoban das farbenfrohe Bild eines Piraten, dessen Geschmack zwar nicht der beste ist, der dafür aber mit einem Übermaß an Gold gesegnet wurde.

 

Wer Tristoban schon von früher kennt, dem wird auffallen, dass sein Hinken deutlich zurückgegangen ist und er sich erkennbar schneller und geschmeidiger bewegt - einen Gehstock verwendet er nicht mehr. Außerdem ist die hochaufgerichtete Haltung einer minimalen Beugung nach vorne gewichen - die Schultern sind leicht vorgeschoben, was den massigen Mann an einen aggressiven Stier erinnern lässt, der jeden Augenblick mit gesenkten Hörnern auf den Betrachter lospreschen könnte.

 

 

Wie man ihn von früher kennt:

 

Tristoban Fock, Leutnant ihrer horaskaiserlichen Majestät zur See, derzeit im Krankenstand - so kannte man den breitschultrigen Burschen von gut 9 Spann, dessen Alter man irgendwo zwischen Ende 20 und Mitte 30 einordnen würde. Sein Hauphaar, in einem ordentlichen kurzen Pferdeschwanz getragen, ist von einem schmutzigen Blondton, ebenso wie die recht buschig ausgefallenen Augenbrauen. Ansonsten weist sein Gesicht kaum hervorstechende Merkmale auf - glattrasiert, kantig mit kräftiger Nase und entschiedenem Kinn, die hellen Augen von einem verwaschenen Grauton. Lediglich die ungewöhnlich vollen Lippen und die gesunden kräftigen Zähne mögen einem aufmerksamen Beobachter ins Auge springen. In Augen- und Munwinkeln zeigen sich die ersten Falten, die auf häufige gute Laune schließen lassen. Die Krücken, die in der Vergangenheit seine ständigen Begleiter waren, sind inzwischen einem altmodischen Gehstock aus poliertem Wurzelholz gewichen gewichen. Auch das linke Bein wird inzwischen wieder aufgesetzt und normal belastet - dennoch ist von seiner schweren Verletzung ein deutliches Hinken zurückgeblieben, das darauf zurückzuführen ist, dass das linke Fußgelenk beim nichtmal minimal abgeknickt wird. Der charakteristische breitbeinige Seemannsgang verstärkt den Eindruck eher, als dass er ihn kaschieren könnte, außerdem wird bei jedem Aufsetzen des linken Fußes auch der Gehstock aufgesetzt - alles in allem ist Tristoban aber nicht langsamer unterwegs als ein Gesunder, der vielleicht 20 Sommer mehr gesehen hat.

 

Doch der Gehrock, der zwischenzeitlich der Leutnantsuniform gewichen war, ist inzwischen einer neuen Uniform gewichen. Kapitan zur See - eine nagelneue, maßgeschneiderte und edel gearbeitete Uniform samt neuem Dreispitz und neuer Stiefel trägt der Gute nun - nur der Kusliker Säbel und die Linkhand sind noch die alten Gebrauchsstücke.

Was weitere Waffen angeht kann ein sehr aufmerksamer und fachkundiger Beobachter in Tristobans Gehstock einen Stockdegen erkennen. Je nach Gelegenheit trägt er außerdem unter dem Uniformrock noch ein Holster mit einer Ballestrina - man hat ihn aber auch schon mit zwei dieser Holster zu gesehen (ein einzelnes Holster wird links auf Höhe des Rippenansatzes getragen - ein zweites dann ggf. rechts in gleicher Position).Leitsprüche:

 

Auf Ehre und Gewissen!

Lieber stehend sterben als kniend leben!

Nondum omnium dierum solem occidisse!

 

Tristoban Fock - Hintergrund

 

Familie Fock stammt ursprünglich aus Grangor, siedelte aber vor rund 20 Jahren nach Vinsalt über, da Dottora Myria Fock eine Lehrtätigkeit im profanan Berich der anatomischen Akademie angeboten wurde. Auch heute hat sie dort noch eine Assistentenstelle inne. Garibald Fock gab seine Hilfs-Schiffsbaumeister-Stelle in der berühmten Sandfort & ter Broock-Werft auf und folgte seiner Frau und seinen Kindern nach Vinsalt. Heute besitzt und betreibt er die Fock-Werft - trotz dieses hochtrabenden Namens werden hier von ihm, zwei Gesellen und einigen Lehrlingen und Hilfsarbeitern aber vor allem Flusskähne repariert. Tristoban ist mit zwei älteren Schwestern, Leonore und Amalthea, gesegnet, die inzwischen beide in die Fußstapfen der Mutter getreten sind und in Vinsalt als Medica und Apothekaria arbeiten und jeweils bereits eine eigene Familie begründet haben. Insgesamt kann Familie Fock dem Bildungsbürgertum und somit dem gesicherten Mittelstand Vinsalts zugerechnet werden.

Tristoban entpuppte sich schon früh als schwarzes Schaf der Familie, zeigte er doch weder den Wissensdurst von Mutter und Schwestern, noch die handwerkliche Begabung und Begeisterung des Vaters. Stattdessen entwickelte sich der Junge zu einem Träumer und Tunichtgut, der seinerzeit im Hafenviertel für seine halbstarken Missetaten geradezu berüchtigt war. Nachdem Tristoban schon in den ersten Lehrmonaten im väterlichen Betrieb gezeigt hatte, dass in ihm kein begnadeter Handwerker steckte und er darüber hinaus etliche Male auf einem der Flusskähne ausgerissen war und erst Tage, manchmal Wochen, später nach Hause zurückkehrte, beschloss Familie Fock ihren Jüngsten dem militärischen Drill der Seeakademie Grangor zu überlassen - durchaus mit Billigung des Jungen, der sich selbst schon als großer Entdecker und Kriegsheld sah. Dank der guten Beziehungen zwischen den Familien Fock und Ter Brook ergatterte Tristoban tatsächlich einen Platz an der Kadettenschule und absolvierte diese ohne größere Schwierigkeiten, jedoch auch ohne sich sonderlich hervorzutun.

Tristoban verbrachte den größten Teil seiner Zeit als Fähnrich auf Schiffen der Kolonialflotte, ehemals Expeditionsflotte, und nahm unter anderem an der Seeschlacht von Phrygaios teil. Vor allem aber tat er sich durch persönlichen Mut und unkonventionelles und entschlossenes Vorgehen in den Auseinandersetzungen mit den Südmeerpiraten hervor. Aufgrund dieser besonderen Begabung wurde Fähnrich Fock schließlich zur Horasflotte versetzt und tat dort auf der Prinzessin Salkya Dienst. Auf Empfehlung von Kapitänin Florencia Borayial wurde Tristoban relativ früh zur Leutnantsprüfung zugelassen und bestand diese knapp, obwohl er es sich leistete mit seinen Prüfern eine kontroverse Diskussion über die optimale Segelsetzung während eines Kauca-Sturms zu führen. Leutnant Fock wurde hauptsächlich im nördlichen Meer der sieben Winde eingesetzt, meist als dritter Leutnant. Zuletzt segelte er hier auf der Kusmara, einem Piratenjäger, als zweiter Leutnant; jedoch verletzte er sich schwer, als der Fockmast der Kusmara in einem Sturm brach und dem jungen Leutnant Fußgelenk und Unterschenkel zerschmetterte. Als die schwer beschädigte Kusmara schließlich wieder ihren Heimathafen Grangor anlief, waren einige der Brüche des Leutnants schon soweit verheilt, dass eine magische Heilung nur möglch gewesen wäre, wenn die Knochen zuvor erneut gebrochen worden wären - diese Möglichkeit wurde aber aufgrund der unübersichtlichen Vielzahl feiner Frakturen verworfen.

Derzeit ist Leutnant Fock bis auf weiteres vom Dienst freigestellt und befindet sich auf Heimaturlaub in Vinsalt, in der Hoffnung hier seine Verletzung soweit auskurieren zu können, dass sie eine weitere Karriere in der Horaskaiserlichen Marine nicht unmöglich macht.

 

Doch seit dieser Zeit ist viel passiert! Nach einer Phase der durchzechten Nächte und der Teilnahme an verschiedenen Wahnwitzigen Rettungsaktionen und Dämonenjagden, wandte sich Tristoban recht unvorhersehbar und abrupt der Heilkunst zu – zunächst mit dem Plan als Schiffsmedicus in Armeediensten die verbleibenden Pflichtjahre als Offizier abzudienen, bis er zur Kapitänsprüfung zugelassen würde, um so schließlich doch noch sein eigenes Kommando zu bekommen. Allerdings verweigerte der Offizier, der noch nie gerne die Schulbank gedrückt hatte, den Besuch des Instituts für eine ordentliche Ausbildung, sondern erweiterte durch Assistenz bei verschiedenen Zahnreißern und Wundärzten sein, durch die Familie ohnehin schon recht breites theoretisches Wissen, auf diesem Gebiet und sammelte zugleich praktische Erfahrungen. „Die meisten Fleischer, die sich Schiffsmedicus schimpfen haben noch nie einen Vorlesungssaal von innen gesehen, verstehen kein Wort Bosparano und wollen sogar bei einem eingezogenen Splitter amputieren – so schwer kann es also nicht sein solch einen Posten zu bekommen!“

Etwa seit dieser Zeit traf man Tristoban Fock immer öfter in Begleitung eines schmuddeligen Mädchens in brauner Kutte an – wohl eine Art Ziehtochter – zumindest wohnte sie auch beim Fockschen Clan. Wie er dieses so vorlaute und altkluge Ding kennen gelernt hat und was die beiden verbindet, wissen allerdings nur die wenigsten.

Beinahe 1 Jahr verbrachte Tristoban in der Folge damit praktische Erfahrungen im Heilen zu sammeln, wobei er vor allem in Alt-Bosparan gegen geringes Entgelt oder auch kostenlos, den Ärmsten der Armen beistand, denen selbst das Geld für einen einfachen Wundarzt fehlt. In dieser Zeit erarbeitete er sich einen hervorragenden Ruf in diesem Stadtviertel, in dem inzwischen beinahe jeder „Meister Fock“ kennt, der hier täglich seine Runden drehte und jedem, egal wem, mit Rat und Tat zur Seite stand, der seiner Hilfe bedurfte und darum bat. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Tristoban Fock wohl einer der wenigen Menschen ist, der selbst Nacht gefahrlos in Alt-Bosparan herumstreunen kann, wissen doch auch die übelsten Halsabschneider, dass der Tag kommen mag, an dem sie jemanden brauchen werden, der mit ruhiger Hand und ohne lästige Fragen ihre Wunden versorgt. Dazu kommt zum einen, dass Tristoban durchaus wehrhaft auftritt und als Offizier auch die entsprechende Reputation vorzuweisen hat, vor allem aber, dass ihm in dieser Zeit einige operative Kunstgriffe gelungen sind, die selbst am Institut kaum jemandem gelängen – bei solchen eigentlich hoffnungslosen Fällen besteht Tristoban stets darauf mit dem Patienten und ggf. seiner kleinen Begleiterin allein gelassen zu werden, was sogar schon Gerüchte über „die magisch heilenden Hände des Meister Fock“ hat aufkommen lassen. Auch gegen einige üble Krankheiten erzielte er vergleichbare Erfolge – unvergessen ist hier eine Episode, wo er kurz nach den namenlosen Tagen beim Stadtrat das Recht einklagte einen Brunnen in Alt-Bosparan auseinander nehmen zu dürfen, weil er in diesem einen Seuchenherd vermutete. Die Erlaubnis hierfür wurde tatsächlich mit Hilfe eines Advocatus erstritten und Tristoban verpfändete nahezu seinen gesamten Besitz um die festgesetzte Kaution für die Brunneninstandsetzung, sollte er sich irren, hinterlegen zu können. Von dem riesigen, beulenentstellten Rattenleichnahm, der aus dem Brunnenrohr geborgen wurde, wird noch immer ungehorsamen Kindern als Schauergeschichte berichtet. Seit dieser Episode, die auch zur Reinigung anderer Brunnen in der Stadt führte, hat Tristobans Namen auch auf der anderen Flussseite eine gewisse bescheidene Popularität erlangt. Aus dieser Situation heraus, sah es eigentlich danach aus, als wollte Tristoban seine ursprünglichen Pläne und seine Sehnsucht nach der See begraben um seine erstaunliche Heilbegabung auch weiterhin in den Dienst der Armen der Stadt zu stellen.

Doch von einem Tag auf den anderen, ohne jegliche Vorwarnung und als einzigem Abschied einem kurzen Brief an seine Eltern, verließ Tristoban Vinsalt. Doch statt, wie in seinem Brief angekündigt, nie wieder in die Stadt zurückkehren zu wollen um seine Familie nicht zu gefährden – worin diese Gefahr bestanden haben soll, weiß wohl nur er selbst – kehrte er wenige Wochen später zurück, mit diversen halb verheilten Schusswunden im Körper, einem breiten Grinsen im Gesicht und einer nagelneuen Kapitänsuniform im Gepäck. Wie es zu dieser Beförderung kam, die ohne die eigentlich erforderlichen Dienstjahre und die eigentlich obligatorische Kapitänsprüfung von beinahe höchster Stelle ausgesprochen wurde, ist ungeklärt und angeblich streng geheim. Am Hafen munkelt man allerdings es hätte irgendetwas mit einem verwunschenen Boot voller Elfen und Feen, einem dämonischen Schiff voller verfluchter Seelen und unheiliger Wesen und einem geheimen Flottenstützpunkt zu tun … das typische Seemannsgarn eben, das in solchen Fällen gesponnen wird! Was allerdings weniger strittig ist, ist dass Kapitan Tristoban Fock derzeit noch kein Kommando übertragen bekommen hat und außerdem aktuell gegen ihn ein militärgerichtliches Disziplinarverfahren läuft, welches er allerdings nicht allzu ernst zu nehmen scheint.


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